Steuererklärung

Anlage V 2025/2026: Einkünfte aus Vermietung richtig erklären

Die Anlage V ist das zentrale Steuerformular für Vermieter. Hier erklärst du deine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und machst alle Werbungskosten geltend. Unser Guide erklärt jede Zeile und zeigt die häufigsten Fehler.

16 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • Pflicht: Jeder Vermieter muss die Anlage V mit der Steuererklärung abgeben
  • Pro Objekt: Für jede vermietete Immobilie wird eine separate Anlage V ausgefüllt
  • Einnahmen: Kaltmiete + umlagefähige Nebenkosten + Sonderzahlungen
  • Werbungskosten: AfA, Zinsen, Reparaturen, Hausgeld, Fahrtkosten, Steuerberater
  • Verlustverrechnung: Verluste aus Vermietung mindern das Gesamteinkommen
  • Frist: 31. Juli des Folgejahres (mit Steuerberater: 28./29. Februar des übernächsten Jahres)

Was ist die Anlage V?

Die Anlage V (V steht für Vermietung) ist das Formular der Einkommensteuererklärung, in dem du deine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nach § 21 EStG erklärst. Sie ist das Herzstück der Steuererklärung jedes Immobilieninvestors.

Das Prinzip: Du rechnest alle Mieteinnahmen eines Jahres zusammen und ziehst davon alle Werbungskosten ab. Die Differenz – positiv oder negativ – sind deine Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, die mit deinen übrigen Einkünften zusammen versteuert werden.

Grundformel

Mieteinnahmen (Zeilen 9–21) minus Werbungskosten (Zeilen 33–51) = Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Sind die Werbungskosten höher als die Einnahmen, entsteht ein steuerlicher Verlust, der dein zu versteuerndes Einkommen mindert.

Wer muss die Anlage V abgeben?

Jeder, der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt, muss die Anlage V abgeben. Das gilt für:

  • Vermietung von Wohnungen und Häusern
  • Vermietung von Gewerbeimmobilien
  • Verpachtung von Grundstücken
  • Vermietung von Garagen und Stellplätzen
  • Untervermietung (auch einzelner Zimmer)

Wichtig: Auch wenn du im ersten Jahr einen Verlust erzielst (z. B. durch hohe AfA und Zinsen), musst du die Anlage V abgeben. Gerade der Verlust ist ja der steuerliche Vorteil!

Einkünfteerzielungsabsicht

Das Finanzamt prüft die Einkünfteerzielungsabsicht. Bei auf Dauer angelegter Wohnungsvermietung zu Wohnzwecken gilt nach § 21 Abs. 2 EStG: Beträgt das Entgelt unter 50 % der ortsüblichen Marktmiete, wird in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil aufgeteilt. Bei 50 bis unter 66 % ist eine Totalüberschussprognose erforderlich: Bei positivem Ergebnis können die veranlassten Werbungskosten vollständig abziehbar sein, bei negativem Ergebnis nur anteilig. Ab 66 % gilt die dauerhafte Wohnungsvermietung als entgeltlich. Beim Vergleich zählen Kaltmiete und umlagefähige Betriebskosten; diese Regeln gelten auch außerhalb einer Vermietung an Angehörige. Die Wohnraumgrenzen sind nicht pauschal auf Gewerberäume übertragbar.

Mieteinnahmen richtig eintragen

In den Zeilen 9 bis 21 trägst du alle Einnahmen aus deiner Vermietung ein:

Was zählt zu den Einnahmen?

  • Kaltmiete: Die vereinbarte Nettomiete
  • Umlagen/Nebenkosten: Vorauszahlungen der Mieter für Betriebskosten (Heizung, Wasser, Müll etc.)
  • Nachzahlungen: Nebenkostennachzahlungen der Mieter aus Vorjahresabrechnungen

Eine lediglich verwahrte Mietkaution zählt nicht zu den Mieteinnahmen. Kautionserträge stehen nach § 551 Abs. 3 BGB dem Mieter zu und erhöhen die Sicherheit. Bei einer späteren Verrechnung mit offenen Forderungen ist deren steuerliche Behandlung gesondert zu prüfen. Für selbstgenutzte Flächen ist kein fiktiver Mietwert als Vermietungseinnahme anzusetzen; privat veranlasste Aufwendungen sind abzugrenzen.

Zufluss-/Abflussprinzip (§ 11 EStG): Es zählt das Jahr, in dem das Geld tatsächlich fließt. Dezember-Miete, die erst im Januar eingeht, gehört in das neue Jahr. Ausnahme: Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, die kurz vor oder nach dem Jahreswechsel fließen (10-Tage-Regel).

Beispiel: Einnahmen einer vermieteten ETW
Kaltmiete (12 × 850 €)10.200 €
Nebenkosten-Vorauszahlung (12 × 250 €)3.000 €
NK-Nachzahlung Vorjahr180 €
Gesamteinnahmen (Zeile 9/21)13.380 €

Werbungskosten: Alles was du absetzen kannst

Die Werbungskosten sind der Schlüssel zur Steueroptimierung. Je mehr du absetzt, desto geringer dein zu versteuerndes Einkommen. Hier die wichtigsten Positionen:

Werbungskosten-ArtZeileTypische Höhe
AfA (Gebäudeabschreibung)332–5 % der Gebäudekosten
Schuldzinsen37Oft der größte Posten
Erhaltungsaufwand39Reparaturen, Instandhaltung
Hausgeld (nicht umlagefähig)46Vermietungsbezogene Verwaltung; Rücklagenzuführung gesondert prüfen
Grundsteuer46Variiert nach Gemeinde
Versicherungen46Gebäudevers., Haftpflicht
Fahrtkosten460,30 €/km zum Objekt
Steuerberaterkosten46Anteilig für Anlage V
Kontoführungsgebühren46Tatsächlicher vermietungsbezogener Kostenanteil

Erhaltungsaufwand vs. Herstellungskosten

Eine wichtige Unterscheidung: Erhaltungsaufwand (Reparaturen, die den bestehenden Zustand erhalten) ist sofort in voller Höhe absetzbar. Herstellungskosten (Maßnahmen, die den Standard erhöhen oder etwas Neues schaffen) müssen über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Wahlrecht nach § 82b EStDV: Du kannst größeren Erhaltungsaufwand auf 2 bis 5 Jahre gleichmäßig verteilen, wenn eine sofortige Absetzung steuerlich ungünstig wäre.

Die Einzahlung in die Erhaltungsrücklage allein ist noch kein Werbungskostenabzug. Erst wenn die Wohnungseigentümergemeinschaft die Mittel für Erhaltungsmaßnahmen ausgibt, ist der Vermietungszusammenhang gegeben; die steuerliche Einordnung der konkreten Maßnahme bleibt zu prüfen. Dies bestätigt der BFH mit Urteil vom 14.01.2025, IX R 19/24. Bei Kontoführungsgebühren zählt der der Vermietung zuzurechnende Anteil der tatsächlich angefallenen Gebühren; ein fester 16-Euro-Abzug ist hier nicht pauschal anzusetzen. BFH-Urteil IX R 19/24, geprüft am 05.10.2026.

Checkliste: Vergessene Werbungskosten

Diese Kosten werden häufig vergessen: Inseratskosten für Mietersuche, Rechtsanwaltskosten bei Mietstreitigkeiten, Räumungskosten, Kosten für die Nebenkostenabrechnung, Telefon-/Portokosten für Mieterverwaltung, Renovierungskosten bei Mieterwechsel, Möblierungszuschlag-Kosten, und die Kontoführungsgebühr (tatsächlich angefallenen vermietungsbezogenen Anteil prüfen).

AfA in der Anlage V eintragen

Die Gebäudeabschreibung (AfA) ist für die meisten Vermieter der größte Einzelposten bei den Werbungskosten. In Zeile 33 der Anlage V trägst du den jährlichen AfA-Betrag ein.

Was du angeben musst

  • Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Gebäudes
  • Datum der Anschaffung/Herstellung
  • AfA-Satz (2 %, 2,5 %, 3 % oder 5 % degressiv)
  • Bisherige AfA-Beträge (kumuliert)
Beispiel: Komplette Anlage V
Mieteinnahmen (Kalt + NK)13.380 €
AfA (2 % von 280.000 €)−5.600 €
Schuldzinsen−6.200 €
Hausgeld (nicht umlagefähig)−1.800 €
Sonstige Werbungskosten−1.200 €
Werbungskosten gesamt−14.800 €
Einkünfte V&V (Verlust!)−1.420 €

Verluste aus Vermietung steuerlich nutzen

Einer der größten Vorteile von Immobilien-Investments: Verluste aus Vermietung und Verpachtung werden im Rahmen des horizontalen und vertikalen Verlustausgleichs mit anderen Einkünften verrechnet.

Im obigen Beispiel reduziert der Verlust von 1.420 € das zu versteuernde Einkommen. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % ergibt das eine Steuerersparnis von 596 € – obwohl der Cashflow aus der Immobilie positiv ist (Miete deckt Kredit und Kosten).

Steuerlicher vs. tatsächlicher Cashflow

Die AfA ist ein reiner Buchungsverlust – es fließt kein Geld ab. Deine Immobilie kann einen positiven Cashflow (Miete > Rate + Kosten) haben, während du steuerlich einen Verlust ausweist. Genau das ist der Mechanismus, mit dem Immobilien Steuern sparen.

7 häufige Fehler bei der Anlage V

  1. AfA vergessen oder falsch berechnet: Der häufigste und teuerste Fehler. Prüfe AfA-Satz, Bemessungsgrundlage und zeitanteilige Berechnung im Kaufjahr
  2. Kaufnebenkosten nicht berücksichtigt: Grunderwerbsteuer, Notar und Makler erhöhen die AfA-Bemessungsgrundlage
  3. Schuldzinsen vergessen: Alle Zinsen für die Immobilienfinanzierung sind absetzbar – nicht die Tilgung
  4. Nebenkosten doppelt angesetzt: Umlagefähige Nebenkosten sind Einnahmen UND Ausgaben – sie neutralisieren sich weitgehend
  5. Erhaltungsaufwand vs. Herstellungskosten verwechselt: Im Zweifel Steuerberater fragen, ob sofort absetzbar oder abschreiben
  6. Verbilligte Wohnungsvermietung falsch einordnen: Unter 50 % ist aufzuteilen; bei 50 bis unter 66 % entscheidet die Totalüberschussprognose. Nicht pauschal jede Miete unter 66 % mit einem anteiligen Abzug behandeln.
  7. Belege nicht aufbewahrt: Das Finanzamt kann alle Werbungskosten nachfordern. 10 Jahre Aufbewahrungspflicht

Häufig gestellte Fragen

Was wird in der Anlage V erklärt?

Alle Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG): Mieteinnahmen abzüglich Werbungskosten wie AfA, Zinsen, Reparaturen und Verwaltungskosten.

Muss ich eine Anlage V pro Immobilie abgeben?

Ja. Für jede vermietete Immobilie wird eine separate Anlage V erstellt.

Kann ich Verluste aus Vermietung mit meinem Gehalt verrechnen?

Ja. Verluste aus V&V können mit anderen Einkünften verrechnet werden. Das ist einer der größten Steuervorteile bei Immobilien.

Sind Tilgungsraten absetzbar?

Nein. Nur die Zinsen sind als Werbungskosten absetzbar, nicht die Tilgung. Die Tilgung ist Vermögensbildung, keine Ausgabe.

Bis wann muss die Steuererklärung abgegeben werden?

Ohne Steuerberater: 31. Juli des Folgejahres. Mit Steuerberater: Ende Februar des übernächsten Jahres (für 2025 also bis 28.02.2027).

Steueroptimierung für Vermieter?

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Lucas Siebeking

Geprüft von Lucas Siebeking

COO der MyInvest24 GmbH. Experte für Immobilien-Kapitalanlagen mit über 950 erfolgreich vermittelten Investments. Mehr erfahren

Quellen: Einkommensteuergesetz (EStG), Statistisches Bundesamt, Bundesfinanzministerium

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LS
Lucas Siebeking
COO & Immobilienexperte bei MyInvest24

Lucas Siebeking berät seit mehreren Jahren Investoren zu Off-Market-Immobilien und Kapitalanlagen. Als COO der MyInvest24 GmbH begleitet er Kunden von der Erstberatung bis zum erfolgreichen Investment.

Mehr über das Team →

Quellen & weiterführende Informationen

Quellen zu Wohnungsvermietung und Kaution, geprüft am 05.10.2026: § 21 EStG, § 551 Abs. 3 BGB, BMF EStH 2025, Anhang 30 II.