Mietminderung Tabelle 2026: Kompletter Ratgeber
Das Wichtigste in Kürze
- Diese Tabelle basiert auf tatsächlichen Gerichtsurteilen -- es sind Richtwerte, keine verbindlichen Vorgaben
- Die Minderung bezieht sich immer auf die Bruttowarmmiete (Kaltmiete + Nebenkosten)
- Jeder Fall ist individuell -- Gerichte können abweichende Quoten festsetzen
- Entscheidend sind Schwere, Dauer und Ausmass der Beeinträchtigung
Zur Mietminderungstabelle
Eine verbindliche, gesetzliche Mietminderungstabelle existiert nicht. Die nachfolgenden Minderungsquoten stammen aus Urteilen deutscher Amts- und Landgerichte. Sie dienen als Orientierung -- im konkreten Fall entscheidet immer das zuständige Gericht anhand der individuellen Umstände.
Bei der Bewertung berücksichtigen Gerichte unter anderem: die Schwere des Mangels, die betroffene Wohnfläche, die Dauer der Beeinträchtigung, die Jahreszeit (Heizungsmangel im Sommer vs. Winter) und die Lage der betroffenen Räume (Schlafzimmer vs. Abstellkammer).
Heizung und Warmwasser
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Totalausfall Heizung (Oktober-April) | 70-100% | LG Berlin, 64 S 258/96 |
| Heizung erreicht nur 16-18 Grad C (statt 20-22) | 20-30% | AG München, 412 C 20721/13 |
| Heizung fällt zeitweise aus | 10-30% | LG Kassel, 1 S 274/12 |
| Heizungsgeräussche (Klopfen, Gluckern) | 10-20% | AG Hamburg, 43a C 2232/82 |
| Kein Warmwasser (komplett) | 15-20% | AG Köln, 201 C 546/10 |
| Warmwasser nur lauwarm | 5-10% | AG Berlin, 15 C 87/04 |
| Kein Warmwasser zwischen 22-6 Uhr | 7.5% | AG Köln, 213 C 413/97 |
Feuchtigkeit und Schimmel
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit/Nasse an den Wänden | 10-30% | AG Berlin, 65 C 545/07 |
| Schimmel im Schlafzimmer | 15-20% | LG Berlin, 64 S 108/13 |
| Schimmel im Bad (grossflächig) | 10-20% | AG Hamburg, 47 C 103/08 |
| Schimmel in mehreren Räumen | 20-50% | LG München, 31 S 6386/13 |
| Schimmel mit Gesundheitsgefährdung | 50-80% | LG Hamburg, 307 S 112/08 |
| Wohnung wegen Schimmel unbewohnbar | 100% | AG Berlin, 67 C 3223/12 |
| Wassereinbruch durch Dach | 20-40% | AG Berlin, 6 C 63/12 |
| Feuchter Keller | 5-10% | AG Köln, 220 C 195/09 |
Lärm
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Baulärm (Grossbaustelle nebenan) | 10-30% | LG Berlin, 63 S 54/13 |
| Strassenlärm über Grenzwerten | 5-15% | LG München, 31 S 20796/07 |
| Lärm durch Gaststäette im Haus | 15-30% | AG Berlin, 20 C 388/04 |
| Nächtlicher Lärm durch Nachbarn | 10-25% | AG München, 462 C 27113/15 |
| Trittschall / mangelnde Schalldämmung | 10-20% | LG Hamburg, 307 S 58/08 |
| Lärm durch Aufzug | 5-15% | AG Berlin, 12 C 278/05 |
Fenster und Türen
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Undichte Fenster (Zugluft, Regenwasser) | 5-20% | AG München, 473 C 14152/13 |
| Fenster schliessen nicht richtig | 5-10% | AG Berlin, 6 C 342/08 |
| Defekte/fehlende Rollläden | 3-5% | AG Düsseldorf, 52 C 85/12 |
| Eingangstür schliesst nicht | 5-10% | AG Köln, 219 C 157/10 |
Sanitär
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Toilette nicht benutzbar | 15-20% | AG Berlin, 12 C 211/12 |
| Badewanne/Dusche nicht nutzbar | 10-15% | AG Hamburg, 316 C 213/06 |
| Verstopfter Abfluss (mehrere Tage) | 5-10% | AG Berlin, 9 C 57/11 |
| Tropfender Wasserhahn | 1-3% | Bagatellmangel (oft keine Minderung) |
Sonstige Mängel
| Mangel | Minderung | Gericht |
|---|---|---|
| Aufzug defekt (hohe Etage) | 10-15% | AG Berlin, 23 C 147/12 |
| Ungeziefer (Kakerlaken, Mäuse) | 10-25% | AG Hamburg, 47 C 43/09 |
| Wohnfläche 10% kleiner als vereinbart | 10% | BGH, VIII ZR 133/03 |
| Fehlende Gegensprechanlage | 3-5% | AG Berlin, 14 C 234/11 |
| Defekte Türklingel | 1-3% | AG Berlin, 21 C 456/09 |
| Geruchsbelästigung (Abwasser, Müll) | 10-25% | AG Berlin, 65 C 87/13 |
| Defekter Balkon (nicht nutzbar) | 3-5% | AG München, 424 C 8456/12 |
| Stromausfall in Teilen der Wohnung | 10-20% | AG Berlin, 2 C 334/10 |
So berechnen Sie die Minderung
Die Minderung wird stets auf die Bruttowarmmiete angewendet (Kaltmiete plus Nebenkostenvorauszahlung).
Formel: Monatliche Minderung = Bruttowarmmiete x Minderungsquote
Beispiel: Bruttowarmmiete 1.100 Euro, Heizung fällt im Dezember komplett aus. Minderungsquote: 70%.
Monatliche Minderung = 1.100 Euro x 0,70 = 770 Euro
Der Mieter müsste also nur 330 Euro zahlen, solange die Heizung nicht funktioniert.
Mindert der Mieter zu hoch und stellt sich dies später als unberechtigt heraus, entsteht ein Mietrückstand. Erreicht dieser zwei Monatsmieten, kann der Vermieter fristlos kündigen (Paragraph 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB). Mieter sollten daher vorsichtig schätzen oder die Miete unter Vorbehalt zahlen.
Häufig gestellte Fragen
Sind die Werte in der Tabelle verbindlich?
Nein. Die Werte basieren auf Einzelfallentscheidungen verschiedener Gerichte und dienen als Orientierung. Jedes Gericht entscheidet anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls. Die Quoten können je nach Schwere, Dauer und Ausmass erheblich abweichen.
Bezieht sich die Minderung auf Kalt- oder Warmmiete?
Auf die Bruttowarmmiete, also Kaltmiete plus Nebenkostenvorauszahlung. Dies hat der BGH klargestellt (BGH, XII ZR 225/03). Die Minderung erfasst den gesamten Mietbetrag, den der Mieter monatlich zahlt.
Können mehrere Mängel zusammengerechnet werden?
Ja. Liegen mehrere Mängel gleichzeitig vor, werden die Minderungsquoten grundsätzlich addiert -- allerdings kann die Summe nie mehr als 100% betragen. Bei der Addition ist jedoch Vorsicht geboten: Gerichte betrachten häufig die Gesamtbeeinträchtigung und setzen eine Gesamtquote fest, die von der einfachen Addition abweichen kann.
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Quellen: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Bundesministerium der Justiz, Deutscher Mieterbund
Lucas Siebeking berät seit mehreren Jahren Investoren zu Off-Market-Immobilien und Kapitalanlagen. Als COO der MyInvest24 GmbH begleitet er Kunden von der Erstberatung bis zum erfolgreichen Investment.
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