Vermietung

Indexmiete 2026 – Berechnung, Vor-/Nachteile & Muster

Kurzantwort: Bei einer wirksam vereinbarten Indexmiete kann die Nettokaltmiete nach der Veränderung des Verbraucherpreisindex angepasst werden. Die Änderung muss in Textform erklärt werden; bei Zugang im Januar gilt sie frühestens ab März. Die Mietpreisbremse kann für die Ausgangsmiete gelten.

20 Min. Lesezeit
Von MyInvest24 Experten
Das Wichtigste in Kürze
  • Definition: Indexmiete koppelt die Miete an den Verbraucherpreisindex (VPI) – steigt die Inflation, steigt die Miete
  • Rechtsgrundlage: § 557b BGB – die Indexmiete muss schriftlich vereinbart werden und sich auf den VPI für Deutschland beziehen
  • Berechnung: Neue Miete = Aktuelle Miete × (Neuer VPI ÷ Alter VPI)
  • Sperrfrist: Zwischen zwei Indexerhöhungen müssen mindestens 12 Monate liegen
  • Kappungsgrenze: Gilt bei Indexmiete nicht – die Miete kann stärker steigen als 20 % in 3 Jahren
  • Mietpreisbremse: Bei der Ausgangsmiete anwendbar; spätere Indexanpassungen sind ausgenommen (§ 557b Abs. 4 BGB)
Hinweis

Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Bei komplexen Vertragsgestaltungen empfehlen wir anwaltliche Prüfung.

1. Was ist eine Indexmiete?

Bei einer Indexmiete vereinbaren Vermieter und Mieter, dass sich die Miethöhe am Verbraucherpreisindex (VPI) des Statistischen Bundesamtes orientiert. Der VPI misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland konsumieren – also die Inflation.

Steigt der VPI, darf der Vermieter die Miete proportional erhöhen. Sinkt er (theoretisch), dürfte auch der Mieter eine Anpassung nach unten verlangen. In der Praxis ist die Indexmiete in Zeiten steigender Inflation ein attraktives Instrument für Vermieter, wenn eine Anpassung nach Textformerklärung entsprechend der Indexentwicklung wirksam wird.

Wichtig: Die Indexmiete muss von den Vertragsparteien schriftlich vereinbart werden. Eine nachträgliche Einführung ist nur mit Zustimmung des Mieters möglich. Seit der Inflation 2022/2023 hat die Indexmiete erheblich an Bedeutung gewonnen – viele Vermieter haben zweistellige Mietsteigerungen realisiert, die mit einer normalen Vergleichsmieterhöhung nicht möglich gewesen wären.

2. Rechtsgrundlage: § 557b BGB

Die Indexmiete ist in § 557b BGB geregelt. Die wichtigsten gesetzlichen Vorgaben:

  • Die Vereinbarung muss sich auf den Verbraucherpreisindex für Deutschland (VPI) beziehen – andere Indizes (z.B. Baukostenindex) sind nicht zulässig
  • Die Miete muss für mindestens 1 Jahr unverändert bleiben, bevor die erste Indexerhöhung greifen darf
  • Zwischen zwei Erhöhungen müssen mindestens 12 Monate liegen
  • Die Erhöhung muss in Textform (Brief oder E-Mail reicht) erklärt werden und die eingetretene Änderung des VPI sowie die neue Miete in Euro angeben
  • Die neue Miete wird ab dem übernächsten Monat nach Zugang der Erklärung wirksam

Was bei Indexmiete ausgeschlossen ist

Während einer Indexmietvereinbarung sind bestimmte andere Erhöhungen ausgeschlossen oder begrenzt:

  • Keine Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete (§ 558 BGB)
  • Keine Kappungsgrenze (§ 558 Abs. 3 BGB)
  • Mietpreisbremse: Die §§ 556d–556g BGB können für die Ausgangsmiete gelten; nur spätere Indexanpassungen sind ausgenommen (§ 557b Abs. 4 BGB)

Ausnahme: Eine Erhöhung nach §§ 559 oder 559e BGB ist während einer Indexmiete nur unter den Voraussetzungen des § 557b Abs. 2 BGB möglich: grundsätzlich nur wegen Umständen, die der Vermieter nicht zu vertreten hat; für eine Maßnahme nach § 555b Nr. 1a BGB gilt die dort genannte Ausnahme.

3. Indexmiete berechnen – die VPI-Formel

Die Berechnung der Indexmiete folgt einer einfachen Formel:

Formel

Neue Miete = Bisherige Miete × (Neuer VPI ÷ Bezugs-VPI)

Der „Bezugs-VPI" ist der Indexstand bei Mietbeginn oder bei der letzten Anpassung. Für die konkrete Erklärung muss der Wert aus der amtlichen Reihe nachvollziehbar angegeben werden.

Rechenbeispiel 1: Erste Anpassung

Alle folgenden Indexstände sind fiktiv und dienen nur der Rechenmethode; für ein echtes Schreiben müssen die amtlich veröffentlichten Werte aus demselben Basisjahr verwendet werden. Angenommen, die Nettokaltmiete beträgt seit Januar 2022 900 €, der Bezugsindex 100,0 und der neue Index 110,0. Die Textformerklärung geht im Januar 2024 zu.

900 € × (110,0 ÷ 100,0) = 990,00 €. Das sind 90,00 € bzw. 10 % mehr. Die neue Miete ist frühestens ab 01.03.2024 zu zahlen (§ 557b Abs. 3 BGB).

Rechenbeispiel 2: Folgeanpassung

Angenommen, eine weitere Erklärung geht im Januar 2025 zu und der fiktive Index steht inzwischen bei 115,0. Die bisherige Miete beträgt 990,00 €; Bezugsindex ist 110,0.

990,00 € × (115,0 ÷ 110,0) = 1.035,00 €. Die Erhöhung beträgt 45,00 € bzw. rund 4,55 %. Die neue Miete ist frühestens ab 01.03.2025 zu zahlen, sofern die Miete mindestens ein Jahr unverändert blieb.

BeispielzeitpunktFiktiver VPINettokaltmieteÄnderung
Jan. 2022 (Ausgangsmiete)100,0900,00 €–
Mar. 2024 (erste Anpassung)110,0990,00 €+10 %
Mar. 2025 (Folgeanpassung)115,01.035,00 €+4,55 %

Wo finden Sie den aktuellen VPI?

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht den VPI monatlich auf seiner Verbraucherpreisindex-Seite und in GENESIS-Online (Tabelle 61111-0002). Prüfen Sie das Basisjahr der veröffentlichten Reihe und verwenden Sie für alten und neuen Indexstand denselben Bezugsrahmen. Ältere Reihen dürfen nicht direkt mit einer später umgestellten Basis gemischt werden.

Alternative Berechnung über prozentuale Veränderung

Statt mit absoluten VPI-Werten können Sie auch die prozentuale Veränderung nutzen: Prozentuale Änderung = (Neuer VPI - Alter VPI) ÷ Alter VPI × 100. Auch dafür müssen beide verglichenen Indexstände auf derselben Indexbasis beruhen.

4. Indexmiet-Erhöhung korrekt durchführen

Die Erhöhungserklärung muss in Textform erfolgen (§ 557b Abs. 3 BGB). Ein Brief, eine E-Mail oder ein Fax genuegt – eine mündliche Mitteilung nicht. Anders als bei der Vergleichsmieterhöhung ist keine Zustimmung erforderlich. Ohne wirksame Textformerklärung passt sich die geschuldete Miete jedoch nicht von selbst an.

Pflichtangaben in der Erhöhungserklärung

  1. Die eingetretene Änderung des VPI (alter und neuer Indexstand oder prozentuale Veränderung)
  2. Die daraus resultierende neue Miete in Euro (auf den Cent genau)
  3. Der Zeitpunkt des Wirksamwerdens (frühestens übernächster Monat nach Zugang)
Muster: Indexmiet-Erhöhung

„Sehr geehrte/r [Name],

gemäß der Indexmietvereinbarung in § [X] Ihres Mietvertrags vom [Datum] passe ich die Nettokaltmiete an den aktuellen Verbraucherpreisindex an.

Bezugs-VPI: [amtlicher Indexstand und Basisjahr eintragen]
Neuer VPI: [amtlicher Indexstand desselben Basisjahrs eintragen]
Veränderung: [(neuer VPI / Bezugs-VPI − 1) × 100] %

Die monatliche Nettokaltmiete ändert sich von [bisherige Miete] € um [Euro-Betrag] € auf [neue Miete] €.
Die neue Miete ist ab dem [erster Tag des übernächsten Monats nach Zugang] zu zahlen. Bei Zugang im Januar wäre das frühestens der 1. März.

Mit freundlichen Grüßen, [Vermieter]"

Typischer Formfehler

Viele Vermieter vergessen, den konkreten Indexstand anzugeben und schreiben nur „die Miete erhöht sich um X Euro". Das reicht nicht – der Mieter muss die Berechnung nachvollziehen können. Ohne VPI-Angabe kann die Erhöhung unwirksam sein.

5. Vor- und Nachteile der Indexmiete für Vermieter

VorteileNachteile
Anpassung an den VPI möglichBei niedriger Inflation stagniert die Miete
Keine Kappungsgrenze – Erhöhung über 20 %/3 Jahre möglichSteigt der Mietspiegel stärker als der VPI, verschenken Sie Potenzial
Indexanpassung ohne erneute MietpreisbremseModernisierungsumlage nur eingeschränkt möglich
Wenig Verwaltungsaufwand – keine MietspiegelrechercheErhöhung muss aktiv erklärt werden (kein Selbstläufer)
Objektiv nachvollziehbar – wenig StreitpotenzialMieter kann bei fallender Inflation Absenkung verlangen
Unabhängig von Mietspiegeln und VergleichswohnungenBruttowarmmiete-Steigerung durch NK-Erhöhung wird nicht berücksichtigt

Wann ist die Indexmiete besonders sinnvoll?

  • In Gebieten ohne qualifizierten Mietspiegel – eine Vergleichsmieterhöhung ist dort schwierig durchzusetzen
  • Bei Neubau-Erstbezug – hier gibt es noch keinen Mietspiegel-Eintrag für die spezifische Wohnung
  • In Hochinflationsphasen – eine erklärte Anpassung kann die Inflation abbilden
  • Wenn Sie Verwaltungsaufwand minimieren wollen – keine Sachverständigengutachten, keine Vergleichswohnungen

6. Indexmiete vs. Staffelmiete – Was ist besser?

Beide Modelle bieten Planbarkeit, unterscheiden sich aber grundlegend:

KriteriumIndexmieteStaffelmiete
ErhöhungsmechanikAn VPI gekoppelt (variabel)Feste Beträge/Termine vorab vereinbart
Planbarkeit VermieterHängt von Inflation ab100 % planbar
Planbarkeit MieterUnsicherTransparent von Anfang an
InflationsschutzJa – nach ErklärungNur wenn Staffeln über Inflation liegen
VerwaltungsaufwandGering (Erhöhung erklären)Minimal (Staffeln greifen automatisch)
KappungsgrenzeGilt nichtGilt nicht
Kombinierbar?Nein – schließt Staffelmiete ausNein – schließt Indexmiete aus

Empfehlung: In Zeiten hoher oder unvorhersehbarer Inflation ist die Indexmiete für Vermieter oft vorteilhafter. Bei stabilem Preisniveau und langfristig planbaren Mietverhältnissen bietet die Staffelmiete mehr Sicherheit für beide Seiten.

7. Häufige Fehler bei der Indexmiete

  1. Falscher Index: Die Klausel verweist auf einen anderen Index als den VPI (z.B. Baukostenindex oder Lebenshaltungskostenindex) – das macht die gesamte Vereinbarung nach § 557b BGB unwirksam
  2. Keine Textform: Die Erhöhung wird nur mündlich oder telefonisch mitgeteilt – nicht wirksam
  3. VPI-Stand fehlt: Ohne konkreten alten und neuen Indexstand im Erhöhungsschreiben kann der Mieter die Zahlung verweigern
  4. 12-Monats-Frist missachtet: Zwischen Mietbeginn und erster Erhöhung oder zwischen zwei Erhöhungen müssen mindestens 12 Monate liegen
  5. Wirksamkeitszeitpunkt falsch berechnet: Die neue Miete gilt erst ab dem übernächsten Monat nach Zugang – nicht ab dem nächsten Monat
  6. Index und Staffel kombiniert: Prüfen Sie widersprüchliche oder parallel vereinbarte Erhöhungsmechanismen im konkreten Mietvertrag; § 557b Abs. 2 BGB erlaubt während der Indexmiete keine Erhöhung nach § 558 BGB.
  7. Basisjahr-Verwirrung: Nach dem Basisjahr-Wechsel (2015 → 2020) rechnen manche Vermieter falsch – verwenden Sie immer den gleichen Bezugsrahmen

8. Häufig gestellte Fragen

Kann die Indexmiete auch sinken?

Theoretisch ja. Sinkt der VPI, kann der Mieter eine Mietanpassung nach unten verlangen. In der Praxis ist Deflation in Deutschland extrem selten – seit Einführung des Euro gab es nur einzelne Monate mit leicht negativen VPI-Veränderungen.

Muss ich als Vermieter jedes Jahr erhöhen?

Nein. Die Indexmietvereinbarung gibt Ihnen das Recht, die Miete anzupassen – keine Pflicht. Sie können auch mehrere Jahre warten und dann die kumulierte Veränderung geltend machen. Beachten Sie aber: Sie können keine rückwirkende Nachzahlung für vergangene Zeiträume verlangen.

Gilt die Mietpreisbremse bei Indexmiete?

Die Mietpreisbremse kann die Ausgangsmiete beim Vertragsschluss begrenzen. Nach § 557b Abs. 4 BGB gelten §§ 556d–556g BGB nicht für spätere Indexanpassungen. Das macht eine überhöhte Ausgangsmiete nicht nachträglich zulässig.

Kann ich im laufenden Mietverhältnis eine Indexklausel nachträglich einführen?

Nur mit Zustimmung des Mieters. Eine einseitige Einführung ist nicht möglich. Empfehlenswert ist ein Nachtrag zum Mietvertrag, der von beiden Seiten unterschrieben wird.

Wie wirkt sich die Indexmiete auf die Nebenkostenvorauszahlung aus?

Die Indexmiete bezieht sich ausschließlich auf die Nettokaltmiete. Die Nebenkostenvorauszahlung wird davon nicht berührt – sie wird separat über die jährliche Betriebskostenabrechnung angepasst.

Was passiert, wenn der Mieter die Indexerhöhung nicht zahlt?

Ist die Erhöhung formell korrekt (Textform, VPI-Angabe, Frist eingehalten), schuldet der Mieter die neue Miete ab dem Wirksamkeitsdatum. Bei Nichtzahlung entsteht ein Mietrückstand, der ab einer gewissen Höhe zur fristlosen Kündigung berechtigen kann (§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB).

9. Fazit

Eine Indexvereinbarung kann die Nettokaltmiete an den Verbraucherpreisindex koppeln. Sie ersetzt jedoch keine wirksame Erklärung, und ein steigender VPI führt nicht automatisch zu einer neuen Zahlungspflicht.

Die Vorteile: keine Kappungsgrenze nach § 558 Abs. 3 BGB bei einer Indexanpassung und ein objektiv nachvollziehbarer Index. Die Mietpreisbremse bleibt für die Ausgangsmiete zu prüfen. Die Nachteile zeigen sich in Phasen niedriger Inflation, wenn der Mietspiegel möglicherweise stärker steigt als der VPI. Außerdem müssen Sie die Erhöhung aktiv und formkorrekt erklären.

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Lucas Siebeking

Geprüft von Lucas Siebeking

COO der MyInvest24 GmbH. Experte für Immobilien-Kapitalanlagen mit über 950 erfolgreich vermittelten Investments. Mehr erfahren

Quellen: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Destatis Wohnungsmarkt

LS
Lucas Siebeking
COO & Immobilienexperte bei MyInvest24

Lucas Siebeking berät seit mehreren Jahren Investoren zu Off-Market-Immobilien und Kapitalanlagen. Als COO der MyInvest24 GmbH begleitet er Kunden von der Erstberatung bis zum erfolgreichen Investment.

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