Definition: Realkredit
Ein Realkredit ist ein langfristiges Darlehen, das durch ein Grundpfandrecht auf eine Immobilie besichert ist. Nach § 14 PfandBG darf die Beleihung 60 % des Beleihungswerts nicht uebersteigen.
Einleitung
Der Realkredit bildet das Rueckgrat der deutschen Immobilienfinanzierung. Durch die dingliche Absicherung ueber ein Grundpfandrecht erhalten Darlehensnehmer deutlich guenstigere Konditionen als bei unbesicherten Krediten.
Fuer Kapitalanleger ist das Verstaendnis des Realkredits essenziell, weil er die Finanzierungskosten und damit die Rendite unmittelbar beeinflusst. Die Abgrenzung zum Personalkredit, die Bedeutung der 60-%-Beleihungsgrenze und der Zusammenhang mit dem Beleihungswert sind zentrale Aspekte. Wer die Mechanik versteht, kann Finanzierungsangebote gezielter vergleichen und die Eigenkapitalstrategie optimieren.
Ausfuehrliche Definition
Der Realkredit wird vor allem durch das Pfandbriefgesetz (PfandBG) definiert. Demnach handelt es sich um ein Darlehen, dessen Beleihung 60 % des sorgfaeltig ermittelten Beleihungswerts nicht uebersteigt. Die Bank erhaelt eine Grundschuld oder Hypothek als dingliche Sicherheit.
Realkredit vs. Personalkredit
| Merkmal | Realkredit | Personalkredit |
|---|---|---|
| Sicherheit | Grundpfandrecht auf Immobilie | Bonitaet des Kreditnehmers |
| Beleihungsgrenze | 60 % des Beleihungswerts | Keine feste Obergrenze |
| Zinsniveau | Niedrig | Hoeher |
| Typische Laufzeit | 10–30 Jahre | 1–10 Jahre |
| Refinanzierung | Ueber Pfandbriefe moeglich | Nicht pfandbrieffaehig |
Rechtliche Grundlage
Zentrale Norm ist § 14 PfandBG zusammen mit der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV). Die Ermittlung erfolgt unter konservativen Annahmen – der Beleihungswert liegt typischerweise 10–30 % unter dem Verkehrswert. In der Praxis beleihen Banken auch ueber 60 % hinaus; der Mehrbetrag wird als Realkrediterweiterung behandelt und ist teurer.
Zinsstaffelung nach Beleihungsauslauf
- Bis 60 %: Bester Zinssatz, pfandbrieffaehig
- 60–80 %: Moderater Aufschlag (0,1–0,3 Prozentpunkte)
- 80–100 %: Deutlicher Aufschlag (0,3–0,8 Prozentpunkte)
- Ueber 100 %: Vollfinanzierung, stark erhoehte Zinsen
Bedeutung fuer Investoren
Fuer Kapitalanleger ist der Realkredit aus mehreren Gruenden relevant:
- Finanzierungskosten: Niedrigerer Beleihungsauslauf = guenstigere Zinsen. Bei 200.000 € Darlehen spart 0,3 Prozentpunkte Unterschied ueber 15 Jahre mehr als 8.000 €.
- Leverage-Effekt: Hoehere Fremdfinanzierung steigert die EK-Rendite, aber auch das Risiko. Die optimale Balance haengt von der Strategie ab.
- Kreditvergabe: Die Kapitaldienstfaehigkeit wird strenger geprueft, je hoeher der Auslauf.
- Portfolio-Strategie: Entschuldete Objekte als Quersicherheiten fuer neue Finanzierungen nutzen.
- Anschlussfinanzierung: Konservativer Auslauf reduziert das Zinsaenderungsrisiko nach Ende der Zinsbindung.
Praxisbeispiel
Szenario: Kauf einer vermieteten ETW fuer 250.000 €, Beleihungswert 210.000 €.
| Variante | Darlehen | Auslauf | Sollzins | Rate (2 % Tilg.) |
|---|---|---|---|---|
| Realkredit | 126.000 € | 60 % | 3,20 % | 546 € |
| Erweitert | 168.000 € | 80 % | 3,50 % | 770 € |
| Hoch | 200.000 € | 95 % | 3,95 % | 990 € |
Bei 750 € Kaltmiete entsteht im konservativen Fall positiver Cashflow (+204 €/Monat), bei hoher Beleihung negativer Cashflow (−240 €/Monat). Zinsersparnis konservativ vs. hoch ueber 10 Jahre: ca. 13.500 €.
Vorteile und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
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Tipps fuer die Praxis
- Beleihungsauslauf strategisch waehlen: Bis 60 % fuer beste Konditionen, bis 80 % als guter Kompromiss.
- Mehrere Banken vergleichen: Zinsstaffeln variieren erheblich – Effektivzins als Vergleichsgroesse nutzen.
- Realkrediterweiterung separat verhandeln: Manche Banken bieten den Teil ueber 60 % als eigene Tranche an.
- Quersicherheiten nutzen: Entschuldete Objekte koennen den Auslauf neuer Darlehen senken.
- Sondertilgung vereinbaren: Um den Auslauf aktiv zu reduzieren und Konditionen bei Prolongation zu verbessern.
- Grundbuchrang beachten: Erstrangige Grundpfandrechte erhalten bessere Konditionen.
Haeufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist der Realkredit guenstiger?
Was passiert ueber 60 % Beleihung?
Wie wirkt sich der Auslauf auf die Anschlussfinanzierung aus?
Welche Kosten entstehen fuer das Grundpfandrecht?
Verwandte Begriffe
Rechtliche Grundlagen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen fuer Realkredit ergeben sich aus verschiedenen Gesetzen und Verordnungen des deutschen Immobilienrechts. Zentral sind dabei das Buergerliche Gesetzbuch (BGB), das Baugesetzbuch (BauGB) sowie spezialgesetzliche Regelungen. Fuer Kapitalanleger ist die Kenntnis der einschlaegigen Normen wichtig, um Rechte und Pflichten korrekt einzuschaetzen und vertragliche Vereinbarungen auf ihre Wirksamkeit zu pruefen.
In der Praxis spielen neben den gesetzlichen Regelungen auch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) und der Oberlandesgerichte eine wichtige Rolle. Aktuelle Urteile koennen die Auslegung bestehender Normen veraendern und neue Handlungsempfehlungen fuer Investoren begruenden. Eine regelmaessige Prüfung der aktuellen Rechtslage – idealerweise in Abstimmung mit einem Fachanwalt fuer Immobilienrecht – ist daher empfehlenswert.
Besonders relevant fuer Kapitalanleger sind die steuerrechtlichen Aspekte: Die Abschreibung nach §§ 7, 7b EStG, die Werbungskostenabzugsmoeglichkeiten bei vermieteten Immobilien und die grunderwerbsteuerlichen Folgen bei Erwerbsvorgaengen. Die korrekte steuerliche Behandlung kann die Nachsteuerrendite einer Immobilieninvestition erheblich beeinflussen.
Steuerliche Aspekte
Die steuerliche Behandlung von Realkredit ist fuer Kapitalanleger ein wesentlicher Renditefaktor. Bei vermieteten Immobilien koennen zahlreiche Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dazu gehoeren insbesondere Darlehenszinsen, Bewirtschaftungskosten, Abschreibungen (AfA) und Kosten der Finanzierung.
Die lineare Abschreibung betraegt bei Wohngebaeuden, die nach dem 31. Dezember 1924 fertiggestellt wurden, jaehrlich 2 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Gebaeudes (nicht des Grundstuecks). Bei Neubauten mit Bauantrag ab dem 1. Januar 2023 gilt unter bestimmten Voraussetzungen eine erhoehte AfA von 3 % nach § 7 Abs. 5a EStG. Die korrekte Kaufpreisaufteilung in Grundstuecks- und Gebaeudeanteil ist dabei entscheidend fuer die Hoehe der AfA-Bemessungsgrundlage.
Zusaetzlich koennen Erhaltungsaufwendungen sofort als Werbungskosten abgezogen oder ueber 2–5 Jahre verteilt werden (§ 82b EStDV). Herstellungskosten hingegen muessen aktiviert und ueber die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die Abgrenzung zwischen Erhaltungs- und Herstellungsaufwand ist in der Praxis haeufig strittig und sollte im Zweifelsfall mit dem Steuerberater abgestimmt werden.
Haeufige Fehler vermeiden
In der Praxis begehen viele Immobilienkaeufer und Kapitalanleger im Zusammenhang mit Realkredit vermeidbare Fehler. Die haeufigsten sind:
- Unzureichende Vorabpruefung: Wer relevante Unterlagen erst nach dem Notartermin prueft, riskiert boese Ueberraschungen. Alle wesentlichen Dokumente sollten vor der Kaufentscheidung vorliegen und analysiert sein.
- Zu optimistische Kalkulation: Renditeberechnungen ohne ausreichende Sicherheitspuffer fuehren zu Liquiditaetsengpaessen. Konservative Annahmen bei Mietsteigerungen, Leerstand und Instandhaltungskosten sind essenziell.
- Fehlende Gesamtbetrachtung: Einzelne Aspekte wie Kaufpreis oder Mietrendite isoliert zu bewerten, fuehrt zu suboptimalen Entscheidungen. Finanzierung, Steuern, Bewirtschaftung und Exit-Strategie muessen zusammen gedacht werden.
- Keine professionelle Beratung: Bei komplexen Sachverhalten lohnt sich die Einschaltung eines Fachanwalts, Steuerberaters oder unabhaengigen Finanzierungsberaters. Die Kosten stehen in keinem Verhaeltnis zu den Risiken einer Fehlentscheidung.
- Zeitdruck: Kaeufe unter Zeitdruck fuehren haeufig zu Fehlern in der Due Diligence. Serioeose Verkaeufer gewaehren ausreichend Prüfungszeit – Druck sollte als Warnsignal gewertet werden.
Fazit
Der Realkredit ist die guenstigste Form der Immobilienfinanzierung. Wer den Beleihungsauslauf strategisch steuert, kann die Finanzierungskosten erheblich senken und das Refinanzierungsrisiko minimieren. Die 60-%-Grenze des PfandBG bleibt der wichtigste Schwellenwert fuer optimale Konditionen.
Hinweis
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung (z. B. durch Steuerberater, Rechtsanwaelte oder Finanzierungsexperten).
Finanzierung optimieren
Wir helfen Ihnen, Beleihungsauslauf und Konditionen passend zu Ihrer Strategie zu waehlen.
Quellen: Gesetze im Internet, Statistisches Bundesamt
Lucas Siebeking berät seit mehreren Jahren Investoren zu Off-Market-Immobilien und Kapitalanlagen. Als CSO der MyInvest24 GmbH begleitet er Kunden von der Erstberatung bis zum erfolgreichen Investment.
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