Beispielrechnung: 75-m²-Wohnung mit 70-Prozent-Finanzierung
Die folgende Modellrechnung zeigt eine Finanzierung einer Anlageimmobilie auf Basis von Annahmen. Alle Werte sind exemplarisch und stellen keine Konditionen oder Prognosen dar.
Jahresübersicht im ersten Jahr
Bewertung der Modellstruktur
solide bei vorhandenem Einkommen
Objekt trägt sich nicht vollständig
Tilgung wirkt als Sparanteil
Reserven vorausgesetzt
Kurzantwort
Eine Anlageimmobilie lässt sich in der Regel mit 70 bis 100 Prozent des Beleihungswerts fremdfinanzieren; viele Banken erwarten bei Kapitalanlagen mindestens 20 bis 30 Prozent Eigenkapital inklusive Nebenkosten. Entscheidend ist nicht allein der Zinssatz, sondern das Zusammenspiel aus Mieteinnahmen, Bewirtschaftungskosten, Tilgung und Zinsbindung. Eine Finanzierung gilt dann als tragfähig, wenn die Kaltmiete die laufenden Kosten dauerhaft deckt oder mindestens einen Großteil davon, und wenn am Ende der Zinsbindung eine ausreichende Restschuld bleibt, die auch bei höheren Folgezinsen bedient werden kann.
Anders als beim Eigenheim prüft die Bank die Kreditwürdigkeit strenger: Mieteinnahmen werden meist nur zu 70 bis 80 Prozent angerechnet, weil Leerstand und Mietausfälle einkalkuliert werden. Selbstgenutztes Wohngeld entfällt als Spareffekt, dafür wirkt die Tilgung als vermögenswirksamer Baustein. Wer eine Anlageimmobilie finanzieren will, sollte daher zuerst den Objektmarkt, dann die Finanzierung und zuletzt die Steuerwirkung betrachten – nicht umgekehrt.
Wie Banken eine Anlageimmobilie beurteilen
Bei der Finanzierung einer Kapitalanlage steht für das Kreditinstitut im Mittelpunkt, ob das Objekt aus sich heraus bedient werden kann. Grundlage ist der Beleihungswert, der nach den Vorgaben der BelWertV im Rahmen des Bürgerlichen Gesetzbuchs und den bankinternen Verfahren ermittelt wird und meist unter dem tatsächlichen Kaufpreis liegt. Die Differenz zwischen Kaufpreis und Beleihungsgrenze muss in aller Regel durch Eigenkapital geschlossen werden.
Zweitens prüft die Bank die objektbezogene Tragfähigkeit: Die berücksichtigten Mieteinnahmen müssen Zins, Tilgung, Bewirtschaftungskosten und Instandhaltungsrücklagen tragen können. Typischerweise werdenIst-Mieten aus bestehenden Verträgen voll oder fast voll anerkannt, während zukünftige oder gerade renovierte Einheiten vorsichtiger geschätzt werden. Zur Vorsicht rechnen Kreditinstitute mit einem Sicherheitsabschlag auf die Miete, meist im Bereich von 20 bis 30 Prozent.
Drittens fließt die persönliche Bonität ein: Einkommen, bestehende Verbindlichkeiten, Zahlungshistorie und die Anzahl bereits finanzierter Objekte. Wer mehrere Darlehen gleichzeitig bedient, wird zunehmend als Portfolio-Fall behandelt; dann zählen Gesamtexposure, Streuung und Puffer über alle Objekte hinweg. Für die erste oder zweite Anlageimmobilie gelten die Standards des klassischen Wohnimmobilienkredits.
Viertens betrachtet die Bank die Verwertbarkeit: Lage, Mietertragswert, Zustand und Energieeffizienz des Gebäudes. Objekte mit schlechter Energieklasse oder ungünstiger Mikrolage erhalten schlechtere Konditionen oder niedrigere Beleihungsgrenzen, weil das Ausfallrisiko bei einer Verwertung höher bewertet wird. Eine Auswertung der Baustatistiken des Statistischen Bundesamts hilft, die regionale Bautätigkeit als Indikator für künftiges Angebot einzuordnen.
Eigenkapital und Nebenkosten realistisch kalkulieren
Zum erforderlichen Eigenkapital zählt nicht nur der Anteil des Kaufpreises, den die Bank nicht beleihen möchte, sondern auch die Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch sowie gegebenenfalls Maklercourtage und eine mögliche Finanzierungsreserve. Je nach Bundesland liegen die Nebenkosten zwischen rund 6 und 12 Prozent des Kaufpreises. Diese Position wird häufig unterschätzt, obwohl sie sofort und vollständig aus Eigenmitteln kommen muss.
Als Faustformel für die erste Anlageimmobilie gilt vielfach eine Eigenkapitalquote von 20 bis 30 Prozent bezogen auf die Gesamtkosten. Mit höherem Eigenkapital verbessern sich Zinssatz, Beleihungsauslauf und Verhandlungsspielraum; zugleich sinkt die Fremdkapitalquote und damit der Hebel auf die Eigenkapitalrendite. Die richtige Quote hängt vom Ziel ab: Vermögensaufbau mit Sicherheit spricht für mehr Eigenkapital, Renditeoptimierung für weniger.
Neben dem eingesetzten Kapital sollte eine Liquiditätsreserve von mindestens drei bis sechs Nettokaltmieten oder Monatsraten vorhanden sein. Diese Reserve fängt Mietausfälle, Instandhaltungen und Sonderzahlungen ab, ohne dass die Finanzierung ins Wanken gerät. Eine Finanzierung ohne jede Reserve ist auch bei formaler Genehmigungsfähigkeit ein erhebliches Risiko.
Ob eine Finanzierung ohne oder mit sehr geringem Eigenkapital infrage kommt, hängt von Bonität, Objekt und Marktlage ab; die Konditionen sind dann spürbar ungünstiger. Detailüberlegungen dazu finden sich im Ratgeber Kapitalanlage Immobilie ohne Eigenkapital.
Zinsbindung, Tilgung und typische Konditionen
Das Standardprodukt für die Finanzierung einer Anlageimmobilie ist das Annuitätendarlehen mit fester Zinsbindung. Die Rate bleibt über die Zinsbindung konstant, der Zinsanteil sinkt zugunsten des Tilgungsanteils. Übliche Zinsbindungen liegen zwischen 10 und 20 Jahren; für Kapitalanlagen wird häufig eine längere Bindung gewählt, weil die Kalkulation auf Jahrzehnte angelegt ist und Folgerisiken minimiert werden sollen.
Die anfängliche Tilgung liegt bei Kapitalanlagen meist bei 2 bis 3 Prozent. Für vermietete Objekte gilt eine höher angesetzte Tilgung als sicherer, weil am Ende der Zinsbindung die Restschuld niedriger ist und der Spielraum für eine Anschlussfinanzierung wächst. Wer tilgungsschwach finanziert, maximiert kurzfristig den Cashflow, erhöht aber das Zinsänderungsrisiko erheblich.
Der Sollzins für Anlageimmobilien liegt typischerweise über dem Satz für selbstgenutztes Wohneigentum, da die Banken bei vermieteten Objekten einen Zuschlag für das erhöhte Risiko einpreisen. Zur Einordnung des allgemeinen Zinsumfelds und der geldpolitischen Entwicklung bieten sich die Zinsstatistiken der Deutschen Bundesbank an; für die konkrete Kondition zählt allein das individuelle Angebot.
Neben dem Annuitätendarlehen kommen Bauspardarlehen, Forward-Darlehen für die Anschlussfinanzierung und bei größeren Objekten auch endfällige oder gewerbliche Konstruktionen infrage. Für private Anleger mit einem oder zwei Objekten ist das Annuitätendarlehen mit langer Zinsbindung undForward-Darlehen ab dem fünften Jahr der Bindung in aller Regel die übersichtlichste Lösung.
Mietanrechnung und Bewirtschaftungskosten
Die Bank rechnet bei der Kapitalanlage nicht mit der vollen Sollmiete. Üblich ist eine Anrechnung von 70 bis 80 Prozent der nachweisbaren Kaltmiete, um Leerstand, Mietausfall und Nachvermietungsphasen abzubilden. Bei Neubauten ohne Mietverträge oder bei Sanierungsobjekten kann der Abschlag größer ausfallen; bei langjährigen Verträgen mit bonitätsstarken Mietern fällt er kleiner aus.
Auf der Kostenseite stehen den Einnahmen die Bewirtschaftungskosten gegenüber: Verwaltung, Instandhaltung, Wartung, Versicherungen und die Grundsteuer. Diese Positionen mindern nicht nur die Steuerbemessungsgrundlage, sondern auch die tatsächliche Tragfähigkeit der Finanzierung. Für die Kalkulation sollte eine Instandhaltungsrücklage von mindestens 10 bis 15 Euro pro Quadratmeter und Jahr angesetzt werden, bei älteren Gebäuden mehr.
Eine strukturierte Übersicht der wichtigsten Positionen hilft, die Objektvergleichbarkeit herzustellen:
| Position | Typischer Ansatz | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kaltmiete | 70 bis 80 Prozent angerechnet | Bankenabschlag für Leerstand |
| Instandhaltungsrücklage | 10 bis 15 Euro je Quadratmeter und Jahr | bei Altbau höher |
| Verwaltungskosten | ca. 20 bis 30 Euro je Einheit und Monat | Fremdverwaltung oder Selbst |
| Annuität | Zins plus mindestens 2 Prozent Tilgung | Richtwert Kapitalanlage |
Alle genannten Werte sind Modellannahmen zur Orientierung. Die tatsächlich anerkannten Größen legt die finanzierende Bank im Einzelfall fest; eine verbindliche Aussage liefert erst eine Finanzierungsbestätigung.
Modellrechnung: Eine Beispielimmobilie durchgerechnet
Zur Veranschaulichung dient eine Modellrechnung mit angenommenen Werten. Angenommen wird eine vermietete Dreizimmerwohnung mit 75 Quadratmetern für 280.000 Euro Kaufpreis, zuzüglich rund 9 Prozent Nebenkosten (Annahme: Mischung aus Grunderwerbsteuer, Notar und Makler), also Gesamtkosten von etwa 305.200 Euro. Bei 30 Prozent Eigenkapital entsprechend rund 91.600 Euro werden 213.600 Euro finanziert.
Als Annahme gilt ein Sollzins von 3,5 Prozent und eine anfängliche Tilgung von 2,5 Prozent. Die Jahresannuität beträgt damit rund 12.816 Euro oder 1.068 Euro im Monat. Die Kaltmiete sei mit 9,50 Euro je Quadratmeter angenommen, also 712,50 Euro monatlich oder 8.550 Euro im Jahr.
Die Jahresübersicht sieht damit wie folgt aus: Einnahmen 8.550 Euro; abzüglich Annuität 12.816 Euro; abzüglich Bewirtschaftungskosten und Instandhaltung (Annahme: 2.800 Euro) ergibt sich ein jährlicher Finanzierungsfehlbetrag von rund 7.066 Euro, also etwa 589 Euro monatlich. Das Objekt trägt sich aus den Mieten nicht vollständig; die Differenz wird aus sonstigem Einkommen bezahlt.
Ob das akzeptabel ist, hängt von der Zielsetzung ab: Der Fehlbetrag von rund 7.000 Euro im Jahr entspricht beim Modellzins von 3,5 Prozent im ersten Jahr allein Zinskosten von etwa 7.476 Euro; die Tilgung von rund 5.340 Euro ist Vermögensaufbau, kein Verlust. Steht kein monatlicher Puffer zur Verfügung, ist das Objekt für diesen Kaufpreis zu teuer oder die Miete zu niedrig. Zur Vorbereitung eigener Zahlen bietet sich der Baufinanzierungsrechner an.
Steuerliche Einordnung der Finanzierung
Bei vermieteten Immobilien sind Zinsen, Abschreibungen und Bewirtschaftungskosten Werbungskosten im Sinne der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Die AfA beträgt für Gebäude, deren Anschaffung oder Herstellung nach dem 31. Dezember 2022 liegt, 3 Prozent jährlich über 50 Jahre; für ältere Gebäude gelten je nach Baualter 2 oder 2,5 Prozent. Diese Sätze ergeben sich aus dem Einkommensteuergesetz; für die Einordnung im Einzelfall ist die primäre Quelle bei der zuständigen Steuerbehörde maßgeblich.
Wichtig ist das Verständnis der Wirkung: Abschreibungen und Zinsen senken die steuerliche Bemessungsgrundlage, ersetzen aber keinen Euro tatsächlicher Ausgabe. Eine hohe Fremdkapitalquote erhöht den Steuereffekt zugleich mit dem Zinsaufwand. Die steuerliche Komponente kann eine Finanzierung angenehmer machen, niemals aber ein objektiv defizitäres Objekt in eine gute Anlage verwandeln.
Zu prüfen ist zudem die Spekulationsfrist: Veräußerungsgewinne aus privaten Immobilienverkäufen sind nach einer Haltedauer von mehr als zehn Jahren steuerfrei. Das begünstigt langfristig ausgelegte Finanzierungen und macht die Kombination aus Tilgung, Haltedauer und Ausstiegsplanung zu einem gemeinsamen Planungsfeld. Weitergehende Überlegungen dazu enthält der Ratgeber Exit Strategien 2026.
Eine verbindliche Steuerberechnung gehört in die Hand einer Steuerberatung; dieser Artikel liefert ausschließlich eine allgemeine Einordnung ohne individuelle Empfehlung.
Objektauswahl und Kaufpreisgrenze
Die Finanzierbarkeit beginnt vor der Bankgesprächsführung mit der Objektauswahl. Ein niedriger Kaufpreis pro Quadratmeter allein sagt wenig aus; entscheidend ist das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahreskaltmiete. In klassischen A-Lagen liegt der Kaufpreisfaktor typischerweise hoch bei niedriger Mietrendite, in B- und C-Lagen niedriger bei höherem Risiko für Wertverlust und Leerstand.
Für die persönliche Obergrenze empfiehlt sich eine Rechnung vom Ende her: Aus der verfügbaren monatlichen Zuzahlung, dem angenommenen Zins und der gewünschten Tilgung ergibt sich ein finanzierbarer Betrag; daraus abzüglich der Nebenkosten folgt der maximale Kaufpreis. Wer diese Grenze vor der Suche festlegt, verhindert emotional getriebene Überversicherungen des Budgets.
Zu prüfen sind ferner Gebäudealter, Energieeffizienzklasse und Sanierungsbedarf, da diese Faktoren Beleihungswert, künftige Vermietbarkeit und Instandhaltungsaufwand gleichermaßen beeinflussen. Eine systematische Prüfanleitung für die erste Wohnung als Kapitalanlage bietet der Beitrag Immobilien als Kapitalanlage für Anfänger.
Ergänzend lohnt der Blick auf den breiteren Kontext der Vermögensplanung, etwa im Überblick Immobilien als Kapitalanlage 2026 und in der Einordnung Immobilien vs. ETF.
Typische Fehler bei der Finanzierung von Anlageimmobilien
Häufigster Fehler ist die Orientierung am Sollzins allein. Ein niedriger Zins mit minimaler Tilgung und kurzer Bindung kann über zehn Jahre teurer sein als ein höherer Zins mit solider Tilgung und langer Bindung. Bewertet werden sollte immer die Gesamtstruktur: Zins, Tilgung, Bindungsdauer, mögliche Sondertilgungen und die erwartbare Restschuld am Ende der Zinsbindung.
Zweiter Fehler: die Kalkulation mit der Bruttokaltmiete ohne Sicherheitsabschlag. Leerstand in der Zwischenumschaltung, Nachvermietung zu niedrigerer Miete oder ein langwieriger Mieterwechsel reichen aus, um eine knapp kalkulierte Finanzierung zu belasten. Der Bankabschlag von 20 bis 30 Prozent ist keine Formalie, sondern realistische Durchschnittsbetrachtung.
Dritter Fehler: fehlende Reserven. Instandhaltungen treten unregelmäßig, aber sicher auf; eine Heizung, ein Dach oder eine Haustechnik fallen irgendwann an. Wer jede verfügbare Liquidität in den Kauf steckt, muss im Ernstfall zusätzliche, teurere Mittel aufnehmen.
Vierter Fehler: der Verzicht auf Vergleichsangebote. Konditionen für identische Objekte unterscheiden sich zwischen Instituten deutlich. Mindestens drei bis vier Angebote, eingeholt mit denselben Angaben, sind ein angemessener Aufwand; unterstützt wird der Vergleich durch eine Übersicht zur Immobilienfinanzierung.
Risiken und Absicherung
Das zentrale Risiko einer fremdfinanzierten Kapitalanlage ist der Zinsänderungsbedarf am Ende der Zinsbindung. Steht dann noch hohe Restschuld an und sind die Folgezinsen ungünstig, steigt die Rate spürbar. Gegensteuern lassen sich mit höherer Anfangstilgung, langer Zinsbindung, Forward-Absicherung oder planmäßigen Sondertilgungen.
Zweites Risiko ist der Mietausfall durch Leerstand oder Zahlungsausfall. Vorbeugung bieten Auswahl der Lage, Bonitätsprüfung der Mieter und eine Liquiditätsreserve. Bei Mehrfamilienhäusern streuen sich die Risiken auf mehrere Einheiten; bei einer Einzelwohnung trägt ein Ausfall sofort voll.
Drittes Risiko sind Wertänderungen der Immobilie selbst. Für die Finanzierungsstabilität spielt der Marktwert kurzfristig keine Rolle, solange die Raten gezahlt werden; beim Verkauf oder einer Umschuldung unter Zeitdruck jedoch schon. Deshalb gehören Lagequalität, Gebäudezustand und Energieeffizienz von Anfang an in die Entscheidung.
Viertens ist die persönliche Situation abzusichern: Einkommensausfall, Berufsunfähigkeit oder Todesfall gefährden eine Finanzierung mit hohem Fremdkapitalanteil schneller als eine stark besicherte. Risikolebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsschutz sind bei einer solchen Hebelung keine Optionalität, sondern Teil einer sauberen Struktur; deren Umfang ist individuell zu klären.
Häufige Fragen
Wie viel Eigenkapital ist für eine Anlageimmobilie nötig?
Üblich sind 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten inklusive Nebenkosten. Viele Banken beleihen Kapitalanlagen mit 70 bis 100 Prozent des Beleihungswerts, der oft unter dem Kaufpreis liegt. Mehr Eigenkapital verbessert Konditionen und Sicherheit, reduziert aber den Renditehebel.
Werden Mieteinnahmen voll auf die Finanzierung angerechnet?
In der Regel nicht. Banken rechnen meist nur 70 bis 80 Prozent der nachweisbaren Kaltmiete an, um Leerstand und Mietausfall abzubilden. Bei Neubauten ohne Verträge oder sanierungsbedürftigen Objekten fallen die Abschläge größer aus.
Welche Tilgung ist bei einer Kapitalanlage sinnvoll?
Für vermietete Objekte wird häufig eine anfängliche Tilgung von 2 bis 3 Prozent angesetzt. Eine höhere Tilgung senkt die Restschuld am Ende der Zinsbindung und verringert das Zinsänderungsrisiko, mindert aber den laufenden Cashflow.
Sind Zinsen für eine Anlageimmobilie steuerlich absetzbar?
Ja, Zinsen für Darlehen zur Anschaffung einer vermieteten Immobilie sind Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Das Gleiche gilt für Abschreibungen und Bewirtschaftungskosten. Eine individuelle Steuerberechnung gehört zur Steuerberatung.
Welche Zinsbindung ist für Anlageimmobilien empfehlenswert?
Häufig werden 15 bis 20 Jahre gewählt, weil die Kalkulation langfristig angelegt ist und eine lange Bindung das Risiko steigender Folgezinsen reduziert. Die passende Dauer hängt von Tilgung, geplanter Haltedauer und Puffer für Sondertilgungen ab.
Ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital möglich?
Vollfinanzierungen werden von einzelnen Instituten angeboten, setzen aber sehr gute Bonität und ein starkes Objekt voraus. Die Konditionen sind deutlich ungünstiger, und das Risiko steigt, weil jede Störung direkt auf die Finanzierung durchschlägt.
Warum ist der Zins für Anlageimmobilien höher als für das Eigenheim?
Banken stufen vermietete Objekte als risikoreicher ein, weil die Rückzahlung von der Vermietung abhängt und Selbstnutzer ihre Immobilie in der Regel stärker schützen. Der Zuschlag auf den Sollzins ist dafür die übliche Konsequenz.
Aus dem Ratgeber wird eine belastbare Entscheidung.
Vor der Objektsuche sollten Kaufpreis, Nebenkosten und erwartete Kaltmiete in einem Finanzierungsplan gegenübergestellt werden.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) 2026-09-03
- Destatis: Statistisches Bundesamt – Bauen und Wohnen 2026-09-03
- Bundesbank: Deutsche Bundesbank – Statistiken 2026-09-03
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Konkrete Entscheidungen sollten mit individueller Modellrechnung und passenden Fachstellen geprüft werden.